Die Freude 

Gegenüber so mächtigen Worten oder vielmehr Zuständen wie der Liebe, der Angst oder gar dem Hass erscheint die Freude geradezu einfach. Doch ich meine, dass jeder der sich einmal so richtig vorbehaltlos gefreut hat, diesen Zustand nie wieder vergisst. 

Die Freude ist wie ein Schmetterling. Auf einmal ist sie da, wie aus dem Nichts,… wie ein magischer Augenblick der sich öffnet, uns umfängt und ganz im Hier und Jetzt sein lässt. Dabei lässt sie sich nicht willentlich fassen oder gar verordnen. Sie ist frei wie ein Schmetterling. Entweder er flattert herbei oder nicht. Entweder wir freuen uns oder nicht. Der Anblick der Blume bleibt dabei der gleiche ob mit oder ohne Schmetterling. 

Dabei ist die Freude facettenreich. Wenn wir im Frühling in den blauen Himmel schauen, die Vögel zwitschern und die Sonne wärmt uns das Gesicht… so erscheint sie sanft und zart und zaubert uns ein Lächeln aufs Gesicht. Leichtigkeit erfüllt unsere Brust und wir atmen auf. Können loslassen und ganz in die freudige Erwartung des sprießenden Frühlings eintauchen und vielleicht gesellt sich ein Hauch von Hoffnung dazu. 

Oder die überschwängliche Freude eines Kindes, über das ganze Gesicht strahlend, lachend und voll Wonne. Manchmal ohne ersichtlichen Grund. 

Die Freude, langersehnte Menschen in die Arme nehmen zu können. Wenn wir unsere Augen schließen, ihren Duft einatmen und ihren warmen lebendigen Körper an unserem spüren. 

Die Freude, sich mit einem geliebten Menschen zu verbinden. Sich nackt zu zeigen, ohne Scham und ohne Angst. 

Die Freude einer Mutter, ihre Kinder unbeschwert, sicher und versunken in ihr Tun zu sehen. 

Es kommt nicht von ungefähr, dass von grenzenloser Freude gesprochen wird. Die Freude macht das Leben liebenswert. Sie ist eine schöpferische und heilsame Kraft, die uns unweigerlich in die Dankbarkeit führt. Können wir uns an den kleinen Dingen des Lebens freuen? Können wir uns freuen wenn wir morgens aufwachen und noch atmen? 

Spüren wir die Freude eines anderen Menschen, so hat sie die Kraft uns im Herzen zu berühren. Uns zu erweichen oder auch zu versöhnen. Die Freude ist rein und frei von bösen Absichten. Eines der bekanntesten Gedichte Friedrich Schillers „An die Freude“ beschreibt eine Gesellschaft, in welcher das Band der Freude und der Freundschaft die Menschen miteinander verbindet. Welch hohes Ideal, welch wertvolles Geschenk das uns die Freude zu bringen vermag. 

Auch die Götterwelt ist voll von Göttern, die mit der Freude assoziiert werden und (unter anderem) sinnbildlich die Freude darstellen. Euphrosyne und Comus, Laetizia und Artemis, Bastet, Krishna und Rama, Balder und Freyja, Oshun … um ein paar Beispiele zu nennen. Auch in den monotheistischen Religionen spielt die Freude eine herausragende Rolle. Die Freude im Christlichen ist Gott wichtig, weil sie zu seinem innersten Wesen gehört. Im Judentum ist die Freude (Simcha) wichtig, um die Spiritualität zu vervollkommnen und im Buddhismus wird von den acht Säulen der Freude gesprochen (gute Bedingungen) die dazu beitragen, dass sich die Freude entwickelt. Freude ist laut Yoga die wahre Natur des Menschen. Wenn wir in uns ruhen, empfinden wir eine tiefe Freude. 

Freude ist wohl mehr als eine positive Einstellung zur Welt und zu sich. Vielleicht ist ja sogar die Fähigkeit sich freuen zu können die Grundlage für alles andere? Unsere Fähigkeit Freude empfinden zu können, ist sogar genetisch variabel. Es gibt Menschen, die werden mit einer ausgeprägten Neigung Freude zu empfinden geboren, sie wurde ihnen praktisch in die Wiege gelegt. Wir alle können uns für die Freude öffnen und uns selbst erlauben, Freude zu empfinden und sie in uns schwingen zu lassen. Sie da sein lassen. Das ist okay. Wir dürfen uns freuen. 

Ich freue mich. Ich bin Freude. Freude schwingt in mir. Freude erfüllt mich. Ich erlaube mir, mich zu freuen. Ich darf mich freuen. Meine Freude ist aufrichtig. Ich schätze die Freude wert. Ich bin dankbar, Freude zu empfinden. Wir freuen uns gemeinsam. Ich teile meine Freude.